Die Wunderübung: Filmtipp

Am Wochenende habe ich das zerstrittene Ehepaar Dorek in ihrer 90 minütigen Therapiesitzung begleiten dürfen. Kurzweilig und unterhaltsam präsentiert sich die Verfilmung von Glattauers Theaterstück Die Wunderübung, aber manchmal bleibt einem als Mensch, der eine langjährige Beziehung führt auch das Lachen im Hals stecken.

Therapiesitzung mit Überraschungen

Ich gehe selten für einen österreichischen Film ins Kino, aber bei diesem wunderbaren Portrait einer Paartherapiesitzung musste ich eine Ausnahme machen. Vor einigen Jahren während meiner Lebensberater-Ausbildung hatte ich Die Wunderübung schon im Theater gesehen – als Recherche und Vorbereitung auf die zukünftige Laufbahn sozusagen – und war damals schon begeistert. Da wollte ich natürlich sehen, wie die Inszenierung als Film mit Starbesetzung gelungen ist.

Das Ehepaar Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) Dorek kommt zerstritten zum Paartherapeuten (Erwin Steinhauer). Wir begleiten die drei in ihrer ersten gemeinsamen Sitzung und werden Zeuge von stiller Ablehnung, lautstarken Streits, Enttäuschung, Vorwürfen und zahlreichen Interventionsversuchen von Seiten des Therapeuten. Was deprimierend klingen mag in der Beschreibung ist in der Umsetzung tatsächlich sehr unterhaltsam. Die Schauspieler schaffen es unglaublich gut die feinen Nuancen und Zwischentöne in der zwischenmenschlichen Kommunikation darzustellen. Einiges mag auf den ersten Blick überzeichnet wirken, aber bei genauerer Betrachtung kommt einem dann doch die eine oder andere Verhaltensweise aus dem eigenen Beziehungsleben durchaus bekannt vor. Das sind dann jene Momente, in denen man zwar lacht aber auch hellhörig wird. Das Paar scheint hoffnungslos in seinen negativen Mustern verstrickt zu sein, bis schließlich etwas völlig Unerwartetes während der Sitzung passiert, das alles auf den Kopf stellt.

Fazit

Die Wunderübung schafft es wunderbar, uns einen Spiegel vorzuhalten und uns dabei trotzdem zum Lachen zu bringen. Die Schauspieler sind grandios und trotzdem sich das ganze Setting bis auf die Anfangsszene nur in einem Raum abspielt wird es niemals langweilig. Wer noch nie in einer (Paar)Beratungsstunde war kann sich durch den Film auch ein Bild machen, wie mein Beratungsalltag so aussieht – alle Fragen und Übungen gehören zum Repertoire eines Lebensberaters. Natürlich ist es im Film verdichtet und überspitzt dargestellt und vor allem das große Highlight, das alles verändert in der Stunde,  ist eine extreme Variante, die so in dieser Form sicher nicht vorkommt im wirklichen Leben. Nichtsdestotrotz bekommt man einen schönen Einblick in die spannende Arbeit eines Lebensberaters/Therapeuten :). Also, gebt dem österreichischen Film wieder einmal eine Chance – es lohnt sich :)!

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