Für mich ist Weihnachten zu einem guten Teil ein Safe Place. An den drei Feiertagen ist Vieles so wie es schon immer war und wie ich es noch aus Kindertagen kenne. Abläufe, Traditionen und sogar Gesprächssequenzen scheinen sich jedes Jahr auf’s Neue zu Wiederholen. Das macht einerseits für mich den Zauber von Weihnachten aus, birgt aber andererseits auch einiges an Konfliktpotential.

Warum wir uns mit Traditionen wohl fühlen

Traditionen geben uns das Gefühl von Sicherheit. Wir wissen genau was uns erwartet, wir kennen die Abläufe und können uns auf das was kommt einstellen. Sie sind über die Jahre hinweg entstanden und erinnern uns an „die gute alte Zeit“, lassen vielleicht sogar so etwas wie nostalgische Kindheitsgefühle wieder aufleben. Ich erinnere mich beispielsweise immer noch gern an die Nachmittage des 24. Dezembers zurück, die ich mit meinem Papa bei einem Spaziergang im Park verbracht habe, während er mir das Märchen von der Schneekönigin erzählt hat und kann auch heute noch die mystische Stimmung nachfühlen wenn ich nun selber durch die winterlich trübe Landschaft wandere. Traditionen sind dann besonders wichtig für uns, wenn sie uns in unseren Bindungen und Beziehungen stärken. Wenn wir innerhalb einer Familie oder unter Freunden uns eine gemeinsame Geschichte erschaffen – etwas Besonderes – das uns auch von anderen unterscheidet. Das dadurch entstandene Zusammengehörigkeitsgefühl nährt unsere Beziehungen und sorgt dafür, dass wir uns auch in stressigen Zeiten entspannen können.

Wann wir mit Traditionen brechen sollten

Eingefahrene Muster und Abläufe können manchmal auch zwanghaft werden und ihren einstigen Zauber einbüßen. Etwa wenn das Aufrechterhalten nur noch viel Kraft und Mühe kostet und statt der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls nur noch Stress ausgelöst wird. Warum also nicht mal das große Weihnachtsessen, das Stunden an Vorbereitungszeit kostet, gegen eine kalte Platte tauschen, um die so gewonnene Zeit entspannt mit den Lieben zu verbringen?

Spätestens wenn neue Familienmitglieder durch Partnerschaften dazustoßen prallen oft verschiedene Vorstellungen und Familientraditionen aufeinander. Hier gilt es nun Kompromisse zu finden. Es ist nicht einfach etwas von den eigenen lieb gewonnenen Familientraditionen aufzugeben und sich in der Mitte zu treffen. Darüber zu sprechen, was dem einzelnen wichtig ist und warum ihm gewisse Traditionen besonders am Herzen liegen, ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. Vielleicht zeigt sich dann im Gespräch ja sogar, dass manche Dinge gar nicht mehr denselben Stellenwert haben wie damals in der Kindheit und dass manche Begebenheiten auch zu Gunsten neuer, eigener Traditionen aufgegeben werden können. Oder dass es schön sein kann auch fremdartige Traditionen einer anderen Familie anzunehmen, weil sie etwas verkörpern, das man bis dahin noch nicht erfahren hat.

Was gut ist, das bleibt

Manchmal fällt es Eltern schwer ihre erwachsenen Kinder ziehen zu lassen und zusehen zu müssen wie sich die über Jahre aufgebauten Weihnachtstraditionen ändern. Man die Feiertage nicht mehr so verbringt wie früher. Es kann schmerzhaft sein, weil es uns die Vergänglichkeit, den Lauf der Zeit vor Augen führt. Aber lasst euch gesagt sein: Traditionen, die wertvoll waren setzen sich fort und werden in neuen Wohnzimmern unter anderen Christbäumen weiterleben 😊.

 

 

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