Ist man über 30 und in einer Beziehung wird man unweigerlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit der Frage konfrontiert: “Und, wie sieht’s denn bei euch mit Familienplanung aus?” Obwohl es so häufig passiert, bin ich doch immer wieder überrascht und habe selten die Antwort parat, die mir eigentlich aus dem Herzen sprechen würde.

Gesprächsthema Familienplanung

Vor einigen Jahren begann es langsam in meinem Freundeskreis. Die ersten Paare gaben sich offiziell das Ja-Wort, nach und nach folgten die ersten Babies. Ich war immer mit Begeisterung, großem Interesse und Anteilnahme mit von der Partie. Warum auch nicht? Eine Familie zu gründen ist eine spannende und herausfordernde Angelegenheit, da kann man ein offenes Ohr gut gebrauchen. Und natürlich möchte ich auch teilhaben am Leben meiner Freunde. Dass sich also in diesem engen und vertrauten Kreis auch mal die Frage nach der eigenen Familienplanung stellt, ist für mich persönlich eine logische Konsequenz. Man tauscht sich im Laufe der Jahre über so Vieles aus, warum also nicht auch über das Thema Kinderwunsch?

Zu viele Fragen

Was mich aber dann doch immer wieder erstaunt ist die Tatsache, dass einem diese Frage ständig und unentwegt gestellt wird. Von losen Freunden, Bekannten oder gar gänzlich Fremden, die man eben erst auf einer Party kennengelernt hat. Mit dieser Beobachtung stehe ich nun durchaus nicht allein da. Auch viele KlientInnen und FreundInnen berichten mir immer wieder von diesem Phänomen. Nun bin ich grundsätzlich ja sehr dafür, am Gegenüber interessiert zu sein und viele Fragen zu stellen. Fragen bringen uns zusammen und durch Fragen erfährt man Spannendes vom Gegenüber. Aber ich bin der Meinung, dass Fragen auch indiskret, grenzüberschreitend und manchmal sogar verletzend sein können.

Kinderwunsch ist kein Party-Thema

Das Thema Kinderwunsch ist meiner Meinung nach ein sehr sensibles, das sich nicht für lockeren Small Talk eignet. Versteht mich nicht falsch – wenn jemand von sich aus gerne über seine diesbezüglichen Wünsche, Träume oder Pläne sprechen will, höre ich gerne zu. Wer jedoch nicht von alleine darüber zu erzählen beginnt, hat wahrscheinlich gute Gründe dafür. Vielleicht findet man das Thema einfach nur langweilig, vielleicht möchte man nicht darüber reden, weil es gerade ein Diskussionspunkt in der Partnerschaft ist, vielleicht ist man sich selbst noch nicht im Klaren darüber, wie man überhaupt dazu steht, vielleicht arbeitet man gerade erfolglos daran oder hat bereits die traurige Erfahrung einer Fehlgeburt gemacht. Die Gründe nicht darüber zu sprechen sind vielfältig. Ich plädiere daher für mehr Zurückhaltung bei diesem Thema. Nur allzu leicht überschreitet man damit eine Grenze und merkt es vielleicht nicht einmal, denn selten ist das Gegenüber dazu in der Lage auszusprechen, wie es ihm wirklich mit dieser Frage geht.

Wie kann man reagieren?

Falls ihr nun schon sehnsüchtig auf den Pro-Tipp wartet, wie man auf unerwünschte Fragen puncto Kinderwunsch reagiert, muss ich euch enttäuschen. Ich habe auch für mich noch nicht DIE eine Antwort darauf gefunden und experimentiere noch mit verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Probiert habe ich schon “Ich plane nicht.” über “Ich hab damit keinen Stress.” bis hin zu “Das ist eine WIRKLICH gute Frage, da muss ich mir mal echt Gedanken dazu machen.” Es hatte nicht immer die gewünschte Wirkung, nämlich das Thema im Keim zu ersticken – ihr seht also, auch als Kommunikations-Experte ist es nicht immer einfach ;). Aber vielleicht hat sich das Thema mit diesem Blogbeitrag ja jetzt auch für mich erledigt ;).

1 Comment

  1. Michaela

    14. November 2017 at 14:18

    Gutes Thema!
    Ich wurde v.a. in den Monaten nach meiner Hochzeit letztes Jahr dauernd von Menschen in meiner Umgebung gefragt, wie es denn jetzt mit Kindern aussieht.

    Für mich ist diese Frage unglaublich grenzüberschreitend. Ich frage ja auch nicht Bekannte, wie ihr Sexleben so ist. Das steht für mich auf ungefähr derselben Intimitäts-Stufe. Ich fand es spannend zu beobachten, wie wenig Hemmungen Menschen in der Hinsicht haben.

    Was ich mich auch immer frage, ist: Was möchten die Leute darauf hören? Bedenken sie nicht, dass sie damit möglicherweise einen wunden Punkt treffen könnten? “Ja wir probieren es seit Jahren aber es klappt nicht.” “Er will keine Kinder, aber ich möchte 5. Wir streiten deshalb jeden Abend.” “Ich hatte vor einigen Monaten eine Fehlgeburt.” “Du, eigentlich haben wir kaum Sex.” Was wäre denn eine angemessene Antwort auf diese Frage, die nicht zu einer awkward Situation führt?

    Ich hab mir übrigens angewöhnt, die Frage zurückzugeben. Wenn jemand fragt, wie es mit Kindern in meiner Beziehung aussieht, sage ich: “Mal schauen, und wie ist das bei dir?” Völlig egal ob mein gegenüber Single, männlich, weiblich, vergeben oder frisch getrennt ist. Da merken dann manche, dass es eine unangenehme Frage ist.

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